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Bericht im KStA. vom 27.10.2011

Vereine ächzen unter neuer Last

Von Oliver Görtz und Uli Kreikebaum, 27.10.11, 09:47h

Knapp 90 Vereine haben jetzt eine Nebenkostenabrechnung von der Verwaltung bekommen. Es werden die Sportclubs zur Kasse gebeten, die städtische Anlagen nutzen. Die Forderungen bringen vor allem kleinere Clubs in Schwierigkeiten.

 

Ist bald die Luft raus? Sportvereine, die von der Stadt Anlagen gemietet haben, müssen künftig die Nebenkosten selbst zahlen. (Bild: Görtz)Köln - „Das ist ein ganz schöner Hammer“, sagt Rudolf Ventsch, Vorsitzender des VKC Tennisclubs Poll. Der Verein muss für seine von der Stadt angemietete Anlage für das vergangene Jahr 3400 Euro an Nebenkosten nachzahlen, für dieses Jahr ist mit einem ähnlichen Betrag zu rechnen: für Müllgebühren, Abwasserkosten und Straßenreinigung. Zwar bekommt der Verein eine sogenannte „Unterhaltungsbeihilfe“ dafür, dass er die Anlage pflegt. Aber die Nebenkosten, die erstmals seit über zehn Jahren gezahlt werden müssen, liegen weit über dieser Beihilfe. Es sei eine „Krisensitzung“ anberaumt, um zu überlegen, wie die Mehrkosten gestemmt werden können, sagt Ventsch. „Noch schaffen wir es aus eigener Kraft.“

Wie der Poller Tennisclub bekamen stadtweit knapp 90 Vereine – zumeist Fußball-Klubs – eine Nebenkostenabrechnung von der Verwaltung. Betroffen sind jene Vereine, die eine städtische Anlage gemietet haben. Im Bezirk Porz müssen auch die Spielvereinigung Wahn-Grengel, der SV Ensen-Westhoven und der VfL Rheingold Poll bezahlen. Noch keinen Bescheid erhalten haben der RSV Urbach und die Sportvereinigung Porz, die die städtische Sportanlage an der Brucknerstraße gemietet haben. „Auch diese Vereine müssen damit rechnen, irgendwann Post zu bekommen“, sagt Bürgeramtsleiter Norbert Becker.

Erstmalige Nebenkostenabrechnung

In den vergangenen Jahren hat die Stadt die Nebenkosten für viele der Kicker gezahlt – „als Bestandteil der Sportförderung“, sagt Sportamtsleiter Dieter Sanden. Nun hat das Rechnungsprüfungsamt Sandens Behörde angehalten, die Nebenkosten erstmals einzutreiben. Zwar hatte die Verwaltung die Vereine bereits vor einem Jahr vorgewarnt. „Aber die wussten überhaupt nicht, was auf sie zukommt“, sagt Werner Jung-Stadié, Geschäftsführer des Fußballkreises Köln. Jetzt haben die Klubs die Zahlen schwarz auf weiß. Es sind Beträge zwischen 500 und mehr als 4000 Euro. „Diese Belastungen sind nicht akzeptabel“, findet der Vorsitzende des Fußballkreises Köln, Hans-Christian Olpen.

Die Forderungen bringen vor allem kleinere Verein mit weniger als 500 Mitgliedern in Schwierigkeiten. Der SV Merkenich etwa diskutiert schon über eine Erhöhung der Beiträge. Auch der KSV Heimersdorf, der allein über 2000 Euro für die Müllentsorgung zahlen muss, denkt darüber nach.

Ungeachtet der Rechnungsbeträge an sich gibt es Meinungsverschiedenheiten bei deren Veranschlagung. Der KSV Heimersdorf etwa muss die Kosten für die Müllentsorgung bei seinem Sportplatz tragen, obwohl gleich mehrere benachbarte Schulen die Anlage ebenfalls nutzen.

Gebühr für Straßenreinigung weiterer Streitpunkt

Ein weiterer Streitpunkt zwischen Vereinen und Verwaltung ist die Gebühr für die Straßenreinigung. Diese wird pro Straßenfrontmeter berechnet. Ein Fußballklub etwa, dessen Platz mit der langen Seite zur Straße hin liegt, muss deutlich mehr zahlen als ein Verein, dessen Platz mit der kurzen Seite an die Straße stößt. Liegt ein Platz an einer Straßenecke, steigen die Kosten noch mehr. „Das beinhaltet Ungerechtigkeiten in der Belastung“, sagt Jung-Stadié. „Wie müssen überlegen, wie wir die Straßenreinigung auf alle Vereine umlegen“, fordert der Kreisgeschäftsführer. In dieser Sache, aber auch zum Thema Nebenkosten überhaupt, haben sich Fußballkreis und Stadtsportbund bereits mit dem Sportamt an einen Tisch gesetzt. „Wir werden mit dem Kämmerer über eine einheitliche Pauschale reden“, erklärt Sportamtschef Sanden. Ihm ist klar, dass die Nebenkosten einigen Vereinen hart zusetzen und verspricht „individuelle Lösungen“, etwa Ratenzahlung. Die Klubs müssten sich nur ans Sportamt wenden.

Auch die Politik hat sich mit dem Thema befasst. Die Bezirksvertretung Chorweiler hat jüngst per FDP-Dringlichkeitsantrag beschlossen, die Rechnungen so einzutreiben, dass der „Bestand der Vereine nicht gefährdet ist“.